Gedichte
Persönliche Anlässe
Feste des Jahres
Gefühle
Kinder
Lustiges
Poesie
Andere
Gedanken & Zitate
Autoren
Gedichte » Gefühle » Kurzgeschichten
9 Gedanken & Gedichte gefunden, Ausgabe 1 bis 9
Maulwurfprotest
Maulwurf Lionel Buddelaus lebte ruhig und bequem auf der kahlen Wiese unterhalb der Kegelbahn nahe dem großen Atomkraftwerk Strahlemal in Buddelausigen, im schönen Maulwurfhügeltal der Wallachei.
Eines Tages entdeckte er ein halbes Hähnchen, dass sich verschämt in einer dunklen Ecke der kahlen Wiese versteckt hatte und sich nur noch mit einer selbstgebastelten Krücke fortbewegen konnte. Lionel Buddelaus war er von dieser Mutation über alle Maßen entsetzt.
So entschloss er sich, seinen Hügel zu verlassen und mit allen anderen Buddelausiger Wallacheiern zum Protest auf die maulwurfinnische Hauptstadt zu marschieren.
Dort legte er zusammen mit allen anderen seiner Wallacheier Kanzlerin Adelgard Merkichmirnicht die gar schreckliche Mutation zu Füßen, forderte das Abschalten vom Atomkraftwerk Strahlemal und berief sich in seinem Protest auf das Wallacheier Bundesnaturschutzgesetz.
Wenn alles so einfach wäre...
© by Erika Lond
Autor:  Erika Lond
(*1946)
Gelesen: 43.625nach oben
Ein Bär am See
Ich will euch keinen Bären aufbinden, aber Berti Eisbär entschloss sich eines Tages, seine Vettern in Australien und Afrika zu besuchen. In Australien verliebte er sich in seine Koala-Cousine Eukalyptussi. Sie erzählte ihm, dass die Bären in Afrika schon lange ausgestorben seien. Er müsse nach Osteuropa oder Nordamerika weiterziehen. Aber sie selbst, Eukalyptussi, könne nicht mit ihm kommen. Berti Eisbär bekam schrecklichen Liebeskummer, doch er setzte seine Reise fort und fand die Goldi-Bärenfamilie, von der seine Mama immer erzählt hatte. Sie schenkten ihm einen leckeren Honigtopf mit frischem Akazienhonig. Er mochte ihnen nicht sagen, dass er Fisch viel lieber mochte und so versteckte er heimlich den Topf und begab sich zum See. Dort setzte er sich unter einem Busch, und wartete auf einen leckeren Fisch und träumte von Eukalyptussi. Und wenn er nicht gestorben ist, so träumt er noch heute dort...
© by Erika Lond
Autor:  Erika Lond
(*1946)
Gelesen: 43.870nach oben
Mein Engel bist Du

Noch zwei Tage bis zum Heiligabend.
Sie saß da und dachte an vergangene Weihnachten. Wie sehr hatte sie früher die Zeit genossen, Geschenke verpackt, Vorbereitungen für Weihnachtenn getroffen.
Sie saß da und dachte nach. Ein schwerer Stein lag auf ihrem Herzen, die Geschenke für ihren Sohn waren verpackt. Wie gern hatte sie immer das Leuchten in seinen Augen gesehen, wenn es soweit war, dass er endlich alles auspacken konnte.
Wie schön war es, wenn alle ihre Lieben beisammen saßen und sie die Stille und Besinnlichkeit der Weihnacht genießen konnte.
Sie dachte an geliebte Menschen, die von ihr gegangen waren, die aber immer noch in ihrem Herzen sind.

Der Baum musste noch geschmückt werden.
Ihr fehlte die Kraft und dennoch wurde der Baum mit jeder Kugel schöner, bis er in seiner vollen Pracht erstrahlte.
Wie glücklich war sie einst, jetzt liefen nur noch Tränen über ihr Gesicht. Das Fest der Liebe? Sie spürte nur noch den Schmerz in ihrem Herzen, den Schmerz tiefer Verletzungen der letzten Wochen.

Sie sah sich um, ihre Wohnung war geschmückt mit Engeln, Elfen und Feen, die sie immer so liebte.
Und sie fragte sich: "Wo ist mein Engel?
Mein Engel, der mir meinen größten Wunsch erfüllt."
Jeden einzelnen nahm sie in die Hand, doch keiner gab ihr eine Antwort.

Still saß sie da und betrachtete den Baum, und plötzlich überkam sie ein Gefühl der Wärme und sie hörte eine vertraute Stimme, eine Stimme, die ihr so sehr fehlte in den letzten Jahren.

"Ich bin bei dir, meine Kleine, hab keine Angst. Du bist stark, du wirst es schaffen."

Sie schaute auf das Bild, das vor ihr stand, und sah in ein lächelndes Gesicht. Leise sprach sie:
"Ich brauchte meinen Engel nicht zu suchen, denn du warst und wirst immer bei mir sein.
Ich danke Dir. Frohe Weihnachten,meine geliebte Omi."
Autor:  Marion M.
Gelesen: 115.717nach oben
Ein Geschenk, das Du nicht mehr wolltest

Sein Blick, seine lachenden Augen, die einst so voller Liebe und Fröhlichkeit waren sind jetzt leer und ohne Gefühl.
Sein Blick weicht mir aus, ich friere, es ist kalt neben ihm.
Was ist passiert?
Wo ist der Mann, der so voller Gefühl war, der mir mit seinen lachenden Augen die Kraft gegeben hat, alles zu vergessen, was ich erlebt habe.
Blind vertraut habe ich, Jahre lang war ich an seiner Seite in guten und in schlechten Zeiten.
Fragend schau ich ihn an.
Was geht in Dir vor? Was fühlst Du?
So viele Gedanken doch keine Antwort.
Alles konnte ich in seinen Augen lesen, doch jetzt erkenn' ich ihn nicht mehr.
Wer bist Du? Wo ist mein Mann?
Innerlich schreie ich doch mein Mund bleibt still.
Du bist mein Leben hat er gesagt, noch vor garnicht langer Zeit.
Sein Leben! Nein!
Ich war ein Geschenk, ein Geschenk, das er nicht mehr wollte.
Ich lass' ihn los, und langsam schließt sich die Tür.
Es ist kalt, Ich friere.
Autor:  Marion M.
Gelesen: 100.760nach oben
Warum?

Es war ein wunderschöner Tag im April als Sie das Licht der Welt erblickte.Unschuldig und voller Vertrauen blickte Sie sich um ,noch keinen Gedanken daran wie es in der Welt ist,über wie viele Dornen Sie gehen muss um die Farben des Regenbogens zu sehen.
Sie wurde älter und verstand oft nicht warum Sie die Schläge und Demütigungen ertragen musste.
Warum Sie?
Sie vertraute immer noch ,doch dann kam der Tag an dem Ihr das angetan wurde an dem Ihre Seele zu zerbrechen drohte.
Innerlich schrie Sie! Warum ich bin doch noch so klein bitte lieber Gott lass das nicht zu,doch Sie bekam keine Antwort.
Die Jahre vergingen und die Schmerzen der Vergangenheit brannten sich tief in Ihre Seele.
Sie vertraute nicht mehr zog sich zurück
Doch dann kam der Tag an dem ein Mann in Ihr Leben trat er gab Ihr all das was Sie so lange vermisste.
Liebe!
Er nahm Ihre Hand und liess die Rosen für Sie blühen.
Sie sah wieder Licht.
Sie vertraute wieder.
Der Tag kam an dem Ihr das wundervollste geschenkt wurde Ihr kleiner Sohn,beim ersten Blick in seine Augen konnte Sie alles vergessen.
Sie war angekommen.
Viele Jahre ging Sie gemeinsam mit einem Mann der Sie liebte und Ihrem kleinen Sohn.
Doch das Glück wollte nicht bei Ihr bleiben,denn der Mann der Sie einst so liebte wollte seinen eigenen Weg gehen .
Ihr Herz brach wieder ,und wieder fragte Sie
Warum Lieber Gott?
Doch wieder bekam Sie keine Antwort.
Der Weg den Sie gehen muss mit Ihrem kleinen Sohn wird nicht einfach.
Sie schaut in seine Augen und sieht so viele Fragen.
Ihr Herz ist schwer und die Narben auf Ihrer Seele brechen wieder auf.
Sie muss stark sein für ihren Sohn auch wenn Ihr die Kraft fehlt.
Tränen laufen über Ihr Gesicht und wieder fragt Sie .
Warum Lieber Gott?
Warum muss ich so leiden?
Sie schliesst Ihre Augen und spürt eine Umarmung eine leise Stimme sagt
Ich konnte Dir nicht helfen.
Es war zu spät.
Du warst bereits geboren.
Autor:  Marion M.
Gelesen: 103.554nach oben
Der Südwestwind der Copacabana

Es ist ein warmer Herbsttag. Der Südwestwind bläst Joe Schneider stark entgegen. Er sitzt am weißen Sandstrand. An der Copacabana, dem größten Strand von Rio de Janeiro, sind nur noch wenige Menschen. Es ist drei Uhr Uhr nachmittags, als ihm ein freundliches Lächeln begegnet. Eine dunkle Brasilianerin schaut Joe interessiert an, wie er den Versuch macht, seine Marlboro-Light-Zigarette anzuzünden. Nach dem dritten Versuch gelingt es Joe, die Zigarette zum Brennen zu bringen. „Voce me tem fogo?“ Joe versucht, die Dame zu verstehen, aber er beherrscht nur einige Brocken Portugiesisch. Die Frau macht mit ihren schlanken Händen eine Handbewegung. „Sim.“ Er gibt ihr das Feuerzeug. Joe Schneider ist Deutscher und will sich nach seiner Scheidung von seiner Frau Anna in Rio erholen. Er ist das erste Mal in Brasilien. „Obrigada amor.“ Joe nickt mit dem Kopf. „Voce e estrangeiro?“ „Ja, e sim.“ Die junge Frau, sie wirkt, als sei sie um die zwanzig Jahre alt, schiebt ganz sanft ihren Büstenhalter zur Seite. Joe erblickt eine steife Brustwarze. „Voce quer comigo dormir?“ Joe schüttelt den Kopf. „Ich verstehe nicht, was du zu mir gesagt hast.“ Die Dame berührt Joes rechte Hand. „Motel, motel.“ Das Mädchen schreibt mit ihrem rechten Zeigefinger „10 Real“ in den Sand. Joe schüttelt wieder seinen Kopf. „Ich bezahle nicht, ich bin kein Freier.“ Das Mädchen schüttelt jetzt auch energisch ihren Kopf. „ Nao, Nao, senhor. O motel custo dez Real.“ „ Aha, das Hotel kostet 10 Real“, erwidert er laut.
Das Mädchen lächelt ihn an. „Sim, sim. Vem.“ Joe will gerade aufstehen, als er plötzlich einen harten Schlag auf den Hinterkopf spürt. Er stolpert und fällt lautlos in den weißen Sand. Das Mädchen fängt an zu schreien. „Socorro.“ Ein junger Knabe rennt an ihnen vorbei. Die Sicherheitskräfte des Strandes wurden auf die Schreie des Mädchens aufmerksam. Ein Strandrauppenfahrzeug mit zwei bewaffneten Männern verfolgen den fliehenden Knaben, der auf die grüne Straßenpromenade zurennt. Das Strandrauppenfahrzeug kommt zu einem brüsken Stopp. Die eng stehenden grünen Palmen, die sich an der Seite der Promenade befinden, verhindern ein Durchkommen mit dem Fahrzeug. Der Knabe dreht sich zu den Männern um und streckt ihnen den Stinkfinger entgegen. Fluchend steigen die Polizeibeamten aus dem Strandrauppenfahrzeug. Der Knabe verschwindet auf der anderen Straßenseite in den engen Gassen.
Einige Minuten später.„Amor, tudo bem?“ Joe öffnet seine blauen Augen. Sein Kopf schmerzt. „Was ist geschehen?“ Das Mädchen fängt an zu weinen. „Senhor, assalto, me desculpa.“ Joe setzt sich auf. „Was ist assalto?“ Das Mädchen zeigt ihm, wie er von hinten auf den Kopf getroffen wurde. „Ah, ich wurde geschlagen.“ „Sim, amor.“ Das attraktive Mädchen nickt eifrig mit dem Kopf. Joe vergewissert sich, dass sich seine goldene Schweizer Omega Uhr immer noch an seinem linken Handgelenk befindet. Nichts wurde ihm gestohlen. „Wie heißt du, dein Name, nome?“ „Meu nome e Jasmin.“ „Joe, ich heiße Joe.“ Jasmin lächelt wieder. Ihre langen schwarzen Haare bewegen sich mit dem Südwestwind. Ihr natürlich braungebrannter Körper glänzt in der heißen Sonne. Joe Schneider ist 39 Jahre alt und ein wenig korpulent. Dennoch, mit seinem Charme und seiner sympathischen Ausstrahlung hat er schon viele Frauenherzen höher schlagen lassen. Joe erblickt zwei Sicherheitskräfte. Es sind die beiden Männer, die versucht haben, den Jungen zu schnappen. „Herzlich willkommen senhor. Bem vindo no brasil, me desculpa.“ Joe schaut den vor ihm stehenden Beamten an. Er ist mit einem schwarzen T-Shirt, schwarzen Bermudashorts und mit hohen schwarzen Lederstiefeln bekleidet. „Alles in Ordnung, tudo bem“, erwidert er zu dem vor ihm stehenden Beamten. Der Mann bewegt sich auf Joe zu, der sich jetzt aufrichtet. Der brasilianische Beamte umarmt Joe. „Senhor, mais uma vez, me desculpa. Boa ferias.“ Joe erwidert mit einem leichten Druck die Umarmung des Beamten. „Ist alles in Ordnung. Nichts geschehen. Tudo bem.“ Die beiden Sicherheitskräfte entfernen sich wieder von Joe und Jasmin. „Joe, motel, motel“, flüstert Jasmin ihm ins rechte Ohr. Joe beginnt laut zu lachen. „Dez Real, ist das richtig.“ Jasmin nickt mit ihrem hübschen Kopf. „Sim, Joe, dez Real.“ Sie schmiegt sich eng an seinen stattlichen Körper. Joe hat die Größe eines kleinen Baumes. Mit einem Meter 98 überragt er fast alle Cariocas. So werden die einheimischen Brasilianer von Rio de Janeiro genannt. Joe erwidert Jasmins Berührungen und senkt seinen Kopf zu ihr herunter. Mit beiden Händen berührt Jasmin zärtlich Joes Wangen. Joe spürt ihren heißen Atem. Der Südwestwind bläst ihnen in ihre Gesichter. Sie öffnet ihren großen Schmollmund. „Motel, motel.“ Zärtlich küsst sie Joe auf den Mund. „Motel, motel, dez Real“, erwidert Joe lächelnd. Händchenhaltend verlassen die beiden frisch Verliebten den weißen Sandstrand. Und der Südwestwind der Copacabana bläst hinter ihnen her.
Autor:  Peter Maurer
(*1963)
Gelesen: 84.385nach oben
Garden of Decay

Der Himmel war grau. Grau und trüb, als würden unzählige Tränen sein leuchtendes blau verschlucken.
Sie stand inmitten eines unendlich scheinenden Feldes aus tausenden von Papierblumen. Blumen, die jedoch keine Farben hatten. Schwarz, weiß und grau. Die Farben der Vergänglichkeit lagen auf ihnen.
Die Stille, die hier herrschte, war fast unerträglich. Alles war erfüllt von einer unbeschreiblich erdrückenden Leere, die wie ein Miasma auf der ewigen Stille lag.
Doch sie fühlte es nicht, denn in ihr war es genau so leer.
Ihr Herz war gefüllt mit Lügen, die ihr der Mensch erzählte, den sie mehr liebte als ihr Leben. Ihre Augen waren erfüllt von einer Trauer, die tief verwurzelt und für immer bleibend, in ihrem Herzen verweilen würde. Es war ihr Schicksal auf ewig verdammt zu sein. Mit dem Schmerz einer Trauernden zu leben und einen Menschen lieben zu müssen, der sie zerstört. Tränen der Pein standen in ihren Augen und suchten sich den Weg über ihre Wangen. Der Himmel weinte mit ihr. Ununterbrochen fielen graue Tränen aus Asche vom unendlich scheinenden Firmament. Bis ihre Tränen auf einmal ohne jeglichen Grund versiegten.
In diesem Moment, indem die letzte Träne den Boden berührte, zerfiel jede einzelne Blume zu Asche und stieg zum Himmel empor.
Jede Blume einer ihrer Träume.
Zerfallen zu Asche.
Ein immerwährender Kreislauf.
Träume steigen in den Himmel.
Träume zerfallen zu Staub und Asche.

Das Feuer des Schicksals verschlang so viele Träume, wie es nur konnte.

So steht sie heute noch immer hier.
Beobachtet ihre Träume, die ihr wie Tränen aus den Augen flossen, wie sie zum endlos erscheinenden Himmel empor stiegen. Ebenso, wie sie wieder als weißgraue Asche zu Boden regneten.

Die Vergänglichkeit liegt im Herzen eines jeden.
Gelesen: 83.870nach oben
Even In Death


Das Mädchen hatte eine wunderschöne, blutrote Rose in der Hand und starrte auf den Weg vor sich. Ihre Schritte waren langsam und ihre Blicke wirkten gedankenverloren. Einige Strähnen des schwarzen Haares hingen ihr ins Gesicht, vielen über ihre Augen und verdeckten die Leere und Trauer, die sich seit Jahren dort widerspiegelten...
Diesen Weg beschritt sie jeden Tag, dass Wetter spielte keine Rolle. Von den Ästen der Trauerweiden fielen ununterbrochen Blätter in allen Farben, die wie fallende Sterne aussahen. Die Tage wurden bereits kürzer und der flüsternde Wind verkündete den baldigen Tod des Herbstes...
Die Dämmerung legte sich bereits über die Welt und ließ die Schatten aus ihren Ecken kriechen. In allen Rottönen lächelte die untergehende, immer schwächer werdende Sonne traurig auf sie nieder. Das Mädchen blickte ihr nun mit zusammengekniffenen Augen entgegen, in denen man nun die Tränen sah, die niemals versiegten...
Heute würde sie mit der letzten Sonne des Herbstes untergehen...
Nun blieb sie stehen und für einen Moment konnte man in ihren grauen Augen alles Leid und allen Schmerz erkennen, der sie zu einer Trauernden machte...
Sie kniete sich nieder und küsste die Rose in ihren Händen. Dann legte sie sich in die Umarmung des Laubes und der Efeuranken, die sich im Laufe der Jahre um das Grab gelegt hatten...
Das Mädchen hielt die Rose fest umklammert in ihren zarten, weißen Händen und die Dornen bohrten sich in ihre Handflächen und ließen sie rote Tränen weinen...
Es war das Grab ihres Freundes, der sie vor langer Zeit allein gelassen hatte. Ohne sich zu verabschieden, schlief er ein, für immer...
Doch ihre Liebe würde den Tod überdauern...
Sie schloss die Augen und die Tränen rannen ihr warm wie Blut über die Wangen und sickerten nach und nach ihn die kalte Erde. In ihren Träumen konnte sie bei ihm sein, also würde sie jetzt für immer einschlafen...
Der Wind streichelte ihr sanft über das Gesicht und das rascheln der Blätter war einem Wiegenlied gleich, dass sie auf die andere Seite gleiten ließ...
Und mit den letzten Strahlen der untergehenden Sonne, legten sich die Schatten über sie, wie eine Decke und brachten sie ins Reich der ewigen Träume...

Der erste Frost hatte sich über ihren Körper gelegt, und ließen ihre Tränen zu Eis gefrieren. Sie war zusammen mit dem sterbenden Herbst gegangen, ins Reich der auf ewig weinenden Engel...

Das Stück Papier, dass sie ebenfalls in ihren Händen hielt war die ganze Wahrheit...
Doch der tauende Frost ließ die Schrift in tausend Tränen zerfließen, sodass niemand die Wahrheit jemals erfahren würde...

Dieses Grab auf dem sie ihren ewigen Schlaf fand, um wieder bei dem Menschen sein zu können, den sie mehr liebte als alles andere, war nicht das ihres Freundes...
Sie hatte vor langer Zeit einen Jungen geliebt, der aber nicht das gleiche für sie empfand...
Und um den Schmerz des Verlustes und der grausamen Erkenntnis, dass er sie niemals lieben würde, vergessen zu können, prägte sie ihr Herz mit einer ebenso grausamen Lüge...
Sie stellte sich vor, er wäre tot... mit der Hoffnung, dass sie den Schmerz dadurch ebenfalls töten würde...
Nach und nach glaubte sie es, und die Lüge wurde zu ihrer einzigen Wahrheit...

Noch heute geht sie ihren Weg, wird es bis in alle Ewigkeit tun, mit einer roten Rose in der Hand, die nie enden wollenden Tränen in den Augen und der Liebe und Trauer für einen einzigen Menschen in ihrem Herzen...

Doch die Rose legte sie Tag für Tag, Jahr für Jahr auf ihr eigenes Grab...
...mit dem Glauben es wäre der Ort, an dem der Mensch den sie liebt, seine ewigen Träume träumt...

by melanie w.
Gelesen: 89.803nach oben
Das Sternenmädchen

Wie funkelnde Sterne sahen die Schneeflocken aus, wenn sie unter das Licht der Laternen fielen. Sie hob den Blick und sah in den dunkelgrauen Himmel. Milliarden von kleinen Flocken wirbelten in der Luft und gaben das Gefühl, nicht alleine zu sein. Alles war erfüllt vom Duft des Schnees und der Freiheit. Ein sanfter Wind ließ ihre Haare im Wind tanzen und ließ die weiß bedeckten Äste der Bäume Geschichten erzählen. Die Straßen waren leer und einsam, dass Schneetreiben ließ die Menschen in ihren warmen Häusern Schutz und Geborgenheit suchen. Sie blickte sich noch einmal um, und betrachtete schweigend die Stille der Nacht. Ihre Fußspuren verschwanden bereits nach einigen Metern aus ihrer Sicht, denn der Schnee tanzte wie wild vor ihren Augen und vereinigte sich mit der Schwärze der Nacht. Nun hatte sie die letzte Laterne erreicht. Der Wald lag vor ihr wie ein dunkler, mit Schatten gesäumter Traum. Ihr leichtes, weißes Kleid flatterte im Wind und die Schneeflocken umspielten sanft ihren dünnen Körper. Sie fühlte keine Kälte. Die silbernen, hüftlangen Haare, fielen ihr wie Seide über die Schultern und tanzte zusammen mit dem Schnee verspielt im Wind. Der Mond lag schweigend und kühl über ihr, verschwommen und trüb sah er auf sie nieder. Mit ihren grauen Augen betrachtete sie ihn für einen Moment und in all ihrer Trauer vergoss sie eine Träne aus purem Licht. Diese Träne stieg zum Himmel empor und wurde zu einem wunderschönen, silbern leuchtenden Stern, der die Nacht heller erleuchtete als jeder andere. Das Mädchen nahm eine Kette von ihrem Hals, ein Amulett in der Form eines Herzens, dass von solcher Schönheit war, dass es den schönsten und teuersten Diamanten der Erde würdig gewesen wäre. Sie küsste es sanft und legte es am Rande der Laterne in die schützende Umarmung des reinen Schnees. Dann ging sie den Schatten der Wälder entgegen. Doch ihre blanken Füße hinterließen keine Spuren im Schnee und silberne Flügel saßen nun prachtvoll auf ihrem Rücken. Ein Licht, heller und reiner als das der Sonne ging von ihr aus und erleuchtete die dunkle Nacht. Sie fand den Weg in den Himmel in dieser Nacht. Von nun an würde sie der schönste und strahlendste Stern am ganzen Himmel sein und sie würde auf ihn warten, bis in alle Ewigkeit...

Er fand das Amulett noch in dieser Nacht, als er einem wunderschönen Engel in seinen Träumen folgte...
Gelesen: 83.639nach oben
© 2004-2017 gedanken-gedichte.de
Sag's mit Versen ~ Gedanken ~ Gedichte ~ Zitate ~ Reime ~ Verse ~ Geburtstag ~ Verlobung ~ Hochzeit ~ Silberhochzeit ~ Goldene Hochzeit ~ Freudiges Ereignis ~ Taufe ~ Patenkind ~ Schulanfang ~ Konfirmation und Kommunion ~ Familie ~ Berufsleben ~ Ruhestand ~ Klassentreffen ~ Valentinstag ~ Ostern ~ Muttertag ~ Vatertag ~ Frühling ~ Sommer ~ Herbst ~ Winter ~ Weihnachten ~ Neujahr ~ Liebe ~ Liebesbriefe ~ Liebeskummer ~ Cyberlove ~ Freundschaft ~ Sehnsucht ~ Hoffnung ~ Glück ~ Das Leben ~ Die Seele ~ Rosen ~ Träume und Wünsche ~ Fantasie ~ Engel ~ Himmel ~ Abend, Nacht, Mond ~ Entschuldigung ~ Trost ~ Trauer und Tod ~ Sternenkinder ~ Einsamkeit ~ Lust und Leidenschaft ~ Erotische Gedichte ~ Nachdenkliches ~ Traurige Gedichte ~ Abschied und Trennung ~ Rückkehr ~ Schatten ~ Hass ~ Erinnerung ~ Kindertage ~ Kurzgeschichten ~ Tiere ~ Hexengedichte ~ Märchen ~ Tischgebete ~ Kindersprüche ~ Lustige Geschichten ~ Poesiealbum
Anzeigen