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Gedichte » Gefühle » Kindertage
12 Gedanken & Gedichte gefunden, Ausgabe 11 bis 12
Für meine Schwester

Als wir noch Kinder waren...

...spielten wir miteinander
und streiteten uns immer wieder.

Früh mussten wir zueinander halten
wir wurden wie siamesische Zwillinge
die nicht mehr zu trennen waren.

Wenn ich weinte
nahmst du mich im Arm
und gabst mir Kraft und Halt.

Immer hast du auf mich gewartet
immer hast du dich zurück gestellt
immer warst du da für mich.

Nie warst du mir böse
hast eher meinen Ärger übernommen
und mich aufs schlimmste vorbereitet.

Doch dann gingst du
und hast mich zurück gelassen
du wolltest einfach nur noch raus...

Mein Herz brach
und meine Sehnsucht wuchs unendlich
doch auch emozional warst du fort.

Du warst kalt und schwer verletzt
hast deine Mauern hoch gezogen
deine Emotionen nicht mehr offenbart.

Denn Stärke hättest du gebrauchen können
doch bekamst sie nicht...

Heut haben wir einander wiedergefunden
bist selbst Mami
und ich bewundere deine Liebe zu den Kindern.

Immer hab ich dich vermisst
war gequält von dem Nichtwissen
wie es dir wohl geht...

Ich bin dankbar
für deine Öffnung

Bin stolz auf dich
denn ohne Kraft in dir
wärst du vielleicht heut
nicht mehr bei mir...

Ich liebe dich
weil du so bist wie du bist
und mich so sein lässt wie ich bin.

Unsere Kindertage
wie gern erinner ich mich daran zurück
doch noch viel lieber
freu ich mich auf das zusammen sein mit dir
meiner geliebten Schwester.
Autor:  Bianca S.
(*1981)
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Schöne Stunden mit Mietze

Neun Jahre zählte mein Kinderleben. Meine Gedanken spielten Achterbahn. Gelangweilt lag ich im hohen Gras neben Onkel Loert’s Weide. So ganz ohne Pferd, ist das Kinderleben ein Trauerspiel, dachte ich. Mietze, die alte Stute von Onkel Loert und Tante Erna graste neben mir auf deren Weide. Die gute alte Mietze. Wie oft ich Mietze schon unerlaubt aus Onkel Loert’s Weide geholt und mit ihr einen Ausritt gemacht habe, weiß ich nicht mehr. Aber ich weiß, dass mir mein Vater, genau so oft den Arsch versohlte. Oh, Mietze, womit haben wir das nur verdient? Mietze hob den Kopf und schaute zu mir herüber. Sie schnaubte und scharrte mit dem Vorderhuf als wollte sie sagen, komm Junge, mir tut Bewegung gut, lass uns einen Ausritt machen. Frische Löwenzahnblätter bot ich Mietze auf offener Hand an. Es kitzelte immer, wenn sie mir das Futter aus der Hand schlabberte.

Mietze beugte den Kopf zu mir runter und ich legte meinen Kopf an ihren Hals und klopfte sie. Mietze wieherte und galoppierte zum Gattertor. Mietze wollte raus. Ich band ein Tau als Reiterleine an ihr Halfter, öffnete das Gattertor und führte Mietze zum alten Ackerwagen. Mietze kannte das schon. Geduldig wartete sie, als ich erst auf den Ackerwagen und dann auf ihren Rücken kletterte. Mietze hob ihren Schwanz und galoppierte fröhlich und furzend davon. Innerhalb zehn Minuten hatten wir das Hochmoor erreicht. Hier war das Paradies der Tiere. Die Lerchen trällerten ihr Lied. Hunderte Kiebitze waren auf Nahrungssuche in dieser Oase Feuchtgebiet. Die Bienen summten. Ich ließ Mietze grasen und legte mich ins Gras. Ob es einen schöneren Fleck auf dieser Erde gab? Ich konnte es mir nicht vorstellen. Das Hochmoor war so schön. Gedankenverloren sah ich Mietze zu, wie sie sich das köstliche saftige Gras einverleibte. Plötzlich hörte ich neben mir eine Stimme. Ich kenne einen kleinen Jungen dem heute noch der Arsch versohlt wird, sagte die Stimme. Erschrocken sah ich in das bekannte Gesicht eines Mannes. Es war der Bruder von Onkel Loert, der lachend weiterfuhr. Damit kann er recht haben, dachte ich. Ich führte Mietze zu einem Gattertor, krabbelte auf das Tor und dann auf Mietze’s Rücken. Ein bisschen flau war mir schon im Magen als ich Mietze auf ihre Weide zurückbrachte. Das Glück war heute mit mir. Onkel Loert hatte nichts bemerkt. Erleichtert lief ich nach Hause. Es war 16.30 Uhr. Mein Vater hatte Milchkannen, Eimer und das große Milchsieb in den Handwagen geladen und wollte auf die Kuhweide zum Melken. Hallo Papa, soll ich dir helfen, fragte ich. Mein Papa freute sich, da ihm das Gehen sehr schwer viel. Er war im Krieg schwer verletzt worden und konnte daher sein Knie und seine Hüfte nicht mehr bewegen. So zogen wir beide gemeinsam den Handwagen zum Melkerstand. Papa hatte seinen rechten Arm um meine Schulter gelegt und sang ein Lied. Das machte er immer, wenn er sich freute. Ich liebte meinen Papa, wenn er mich nicht gerade schmerzhaft eines Besseren belehrte. Für mich war er der beste Papa der Welt. Beim Abendbrot erzählte Papa wie lieb ich heute gewesen sei. Darüber wunderten sich alle sehr und Papa war stolz auf mich. Ich fühlte mich nicht gerade wohl in meiner Haut. Hatte ich heute auch Glück gehabt, doch war ich mir nicht sicher, ob die Strafe nicht nur auf morgen vertagt war. Doch morgen sollte alles anders werden, dann wollte ich Papas goldene Taschenuhr reparieren. Die Uhr war ein Erbstück von Papas Großvater und schon 120 Jahre alt. Das allerdings ist eine andere Geschichte.


Rolf Grebener
Autor:  Rolf Grebener
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